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KZ-Zeitzeuge Dr. Max Hamburger besuchte die Realschule

Der 86-jährige Dr. Max Hamburger war vor kurzem zu einem Zeitzeugen-Gespräch in der Realschule zu Gast. 1942 war der aus den Niederlanden stammende Jude von Amsterdam ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert worden. Seit nun 20 Jahren berichtet Max Hamburger über seine Erfahrungen, um die Erinnerungen lebendig zu halten.

Eine Information der Kreisverwaltung des Rhein-Sieg-Kreises :
 

Dr. Max Hamburger im Kreise von Zuhörern
v.l.n.r.: Die stellvertretende Schulleiterin Heidi Mauel, die Künstlerin Christiane Rohleder, Dr. Max Hamburger, eine Schülerin der Realschule, die Leiterin des Kreisarchivs Claudia Arndt, Rhein-Sieg-Schuldezernent Norbert Keusen und Bürgermeister Alfred Haas (Foto: Rhein-Sieg-Kreis)

"Das Unsagbare zu verworten" - Zeitzeugengespräch mit dem ehemaligen KZ-Häftling Max Hamburger an der Realschule in Much

Zu den Elendsgestalten, die im kleinen Lager in Buchenwald entkräftet auf dem Holzpritschen liegen - ihre Fotos werden später um die ganze Welt gehen - gehört auch der Jude Max Hamburger, geboren 1920 in Amsterdam, wo er Kindheit und Jugend verbringt. 1938, nach bestandenem Abitur, studiert Max Hamburger Medizin. Nach der Besetzung der Niederlande durch die Nationalsozialisten wird jüdischen Studenten 1942 die Weiterführung ihrer akademischen Ausbildung untersagt. Hamburger findet Arbeit als Assistenzarzt im jüdischen Krankenhaus von Amsterdam. Als er sich weigert, bei der Sterilisation jüdischer Menschen mitzuarbeiten, ist er gezwungen unterzutauchen.

Das Versteck in der Prinsengracht wird verraten. Der Leidensweg der Deportation beginnt :  Über Westerbork, dem niederländischen Internierungslager nahe der deutschen Grenze, nach Auschwitz, wo Max Hamburger an seinem 24. Geburtstag ankommt : "Innerhalb weniger Stunden waren wir kahl geschorene, in Lumpen gehüllte, zu einer Nummer reduzierte Gefangene geworden, die von da an in einem Zustand völliger Verlassenheit und Aussichtslosigkeit  und totaler Dürftigkeit dahinvegetierten."

Für Max Hamburger ist es ein Wunder, dass er überlebt hat. In der Nacht der Befreiung ringt er mit dem Tod. Sein Lebenswille siegt, "um zu berichten, was sie erleben und erleiden mussten." In dem Moment, in dem man Menschen gedenkt, hält man Menschen am Leben, sagt die jüdische Tradition. Seit mehr als 20 Jahren kommt Max Hamburger diesem Auftrag auch in Deutschland nach, dabei ist es ihm ein besonderes Anliegen, mit jungen Menschen über diese Schreckensjahre zu sprechen.

In einem Zeitzeugengespräch an der Realschule Much berichtete Max Hamburger Schülerinnen und Schülern der 9. und 10. Klasse über seine leidvollen Erfahrungen in Ausschwitz und Buchenwald und über sein späteres Leben im Schatten der Vergangenheit. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich im Unterricht mit den Lehrern gut auf das Gespräch vorbereitet. Ihre Fragen drehten sich vor allem um die Themen Vergebung, Aussöhnung mit den Deutschen als Verursacher seines schweren Leidens und ob man nach solchen Erfahrungen überhaupt noch Vertrauen fassen kann.

Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich stark an dem Thema interessiert. Der Film des niederländischen Fernsehsenders 'NCRV Hilversum' über das Leben Max Hamburgers, der vor dem Zeitzeugengespräch gezeigt wurde, hinterließ einen nachhaltigen Eindruck bei den Jugendlichen. Viele zeigten sich deutlich ergriffen von dem Filmdokument.

Max Hamburger war auf Einladung der in Much-Hillesheim lebenden Künstlerin Christiane Rohleder, die seit vielen Jahren mit ihm befreundet ist, gekommen. Ebenso beeindruckt von dem Zeitzeugnis waren der Schuldezernent des Rhein-Sieg-Kreises, Norbert Keusen, der Bürgermeister der Gemeinde Much, Alfred Haas, sowie die stellvertretende Schulleiterin Heidi Mauel. Vor einigen Jahren hatte Heidi Mauel schon einmal eine Begegnung der Realschule Much mit Max Hamburger möglich gemacht. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Leiterin des Kreisarchivs, Claudia Arndt.

Anne Frank, die zur gleichen Zeit wie Max Hamburger mit ihrer Familie in der Prinsengracht untergetaucht war, hat den Krieg nicht überlebt. Das Tagebuch der Anne Frank ist zum Symbol für den Völkermord an den Juden geworden.

Max Hamburger aber kann zurückkehren um "Das Unsagbare zu verworten, wenn das auch eine unmenschliche Aufgabe ist. Wir dürfen nicht schweigen. Schweigen wäre ein Verrat an diejenigen, die nicht mehr sprechen können." So Elie Wiesel, der wie Max Hamburger Auschwitz und Buchenwald überlebt hat.


Filmbericht über Dr. Max Hamburger :

Der Bericht des niederländischen Fernsehsenders 'NCRV Hilversum' liegt im Medienzentrum des Rhein-Sieg-Kreises in synchronisierter Fassung vor. Er kann hier als DVD von Schulen ausgeliehen werden.


Stichwort Buchenwald :

Im Jahr 2005 sind seit Beendigung des 2. Weltkrieges 60 Jahre vergangen - 60 Jahre seit der Befreiung des berüchtigen Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar. Am 11. April 1945 erreichen Einheiten der 3. US-Armee das KZ Buchenwald. Die SS flieht, Häftlinge der geheimen Widerstandorganisation öffnen das Lager, in dem von 1937 bis 1945 über 250.000 Menschen aus 32 Nationen inhaftiert und über 50.000 durch Misshandlungen, Hunger und Kälte umgekommen sind.

In den 136 Außenkommandos der Konzentrationslager werden die Häftlinge, auch Frauen, rücksichtslos in der Rüstungsindustrie ausgebeutet. Durch Aussonderung von Häftlingen in die Vernichtungslager, war das KZ Buchenwald in den Vernichtungsapparat des Nationalsozialismus integriert. Ungefähr 21.000 Häftlinge befinden sich bei der Befreiung noch im Lager. Darunter sind ungefähr 900 Kinder und Jugendliche.

Einige Tage nach Beendigung der Schreckensherrschaft der NS schreiben amerikanische Berichterstatter : "Der größte Schrecken in Buchenwald ist das 'Kleine Lager', ein KZ, dass nicht befreit worden ist ... Selbst jetzt ist der Gang durch das kleine Lager ein Albtraum."

30. Mai 2006


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